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Brief vom 18.5.1914, München

Verfasser: Mendelsohn, Erich
Ansicht: Fliesstextform
URL: http://ema.smb.museum/197

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München den 18 Mai 14 Isabellastraße 26. G.

ich muß Ihnen doch raten, die Formprobleme ganz zu studieren.1 Es steht da in jedem Absatz so viel drin, so einfach Neuartiges, daß lhnen mit der Erkenntnis des gotischen Formproblems die Entwicklung der ganzen Kunst und die treibenden Elemente unseres heutigen, so frohen

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Kampfes aufgehen werden. Solche Bücher sind selten und gerade die Ausdehnungsmöglichkeit seiner Gedanken über die eine Zeit hinweg auf alle Kunstproduktion weist ihm eine höhere weil umfassendere Aufgabe zu. - Zum Studium des Buches nehmen Sie neben den Abbildungen auch eine Kunstgeschichte hinzu, sodaß Ihnen alle Merkmale gegenwärtig werden. Und fragen Sie mich.

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Die Mappe zum 19. mit allen Glückwünschen von ganzem Herzen.2 Die Reproduktionen werde ich seiner Zeit mit den Originalen vertauschen, wenn ich, wie hier beabsichtigt wird, die Mappe im Kunsthandel herausgebracht habe.3 Die Mappe für Sie soll alle folgenden Blätter aufnehmen. Ich werden heute noch Grusenberg schreiben und ihn zu erreichen

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suchen, morgen in Gedanken bei Ihnen sein.4 Immer Ihr Freund Erich

Fussnoten

  1. Erich Mendelsohn bezieht sich hier auf das Buch "Formprobleme der Gotik" von Wilhelm Worringer. Es war 1911 in erster Auflage in München erschienen.

  2. Am 19. Mai 1914 feiert Luise Maas ihren 20. Geburtstag.

  3. Diese Briefstelle dokumentiert, dass Mendelsohn schon vor dem Ersten Weltkrieg beabsichtigt, Blätter seines graphischen Werkes im Kunsthandel anzubieten und reproduzieren zu lassen.

    Im Herbst 1919 wird er in der Kunstgalerie von Paul Cassirer in Berlin eine Ausstellung seiner Skizzen unter dem Titel: Erich Mendelsohn, "Architekturen in Eisen und Beton" zeigen. Sie ist eine der Maßnahmen, die er in der Not der frühen Nachkriegsmonate ergreift, um erfolgreich Aufträge zu akquirieren. 

  4. Möglicherweise erhofft Mendelsohn sich Unterstützung durch Sergej Grusenberg, der bereits Illustrationen publiziert hat.

    Das Verhältnis Mendelsohn - Grusenberg ist dezeit noch gänzlich unerforscht.